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Kreditabsicherung erklärt

Die Vergabe eines Darlehens bringt für den Kreditgeber (im Normalfall eine Bank) immer ein gewisses Risiko mit sich. Schließlich weiß niemand vorher, ob der Kreditnehmer (Privatpersonen oder Unternehmen) das komplette Darlehen nebst Zinsen auch zurückzahlen kann. Zwar wird vor der Kreditvergabe mittlerweile nahezu immer eine Bonitätsauskunft bei der SCHUFA oder anderen Auskunfteien eingeholt

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Kreditabsicherung erklärt
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, aber diese bietet lediglich einen Überblick über das bisherige Zahlungsverhalten des Kreditnehmers. Auch wenn laut Kredit-Kompass 2014 der SCHUFA die Rückzahlungsrate von Krediten in Deutschland bei 97,5% liegt, verbleiben für die Banken gewisse finanzielle Risiken.

Aus diesem Grund ist es gerade bei größeren Darlehen wie einer Baufinanzierung oder Ratenkrediten mit höheren Kreditsummen üblich, dass der Kreditnehmer eine Kreditabsicherung zur Verfügung stellt. Diese geht über den Nachweis eines regelmäßigen Einkommens deutlich hinaus. Durch eine Kreditsicherheit wird dem Kreditgeber nämlich die Möglichkeit eingeräumt, im Falle ausbleibender Kreditrückzahlungen die eigenen Forderungen aus der Sicherheit zu decken. Im Folgenden werden die verschiedenen Möglichkeiten der Kreditabsicherung nun ausführlich vorgestellt, um dem Leser einen Überblick bieten zu können.

Was sind Kreditsicherheiten – eine grundsätzliche Erklärung

Eine Kreditsicherheit soll dem Kreditgeber die Möglichkeit eröffnen, im Fall einer Nichtzahlung durch den Kreditnehmer seine Forderungen auf anderem Wege durchzusetzen. Solche Sicherheiten werden sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) abgehandelt. In §765 Abs. 1 BGB sind die rechtlichen Grundzüge der Bürgschaft erklärt und darüber hinaus wird auch auf die Hypothek (§1113 BGB) und das Pfandrecht (§1204 BGB) eingegangen. Im Folgenden soll anhand einer Hypothek aufgezeigt werden, wie eine Kreditsicherheit grundsätzlich funktioniert.

Beispiel: Eine Familie hat ein Reihenhaus für 200.000 Euro (inkl. Nebenkosten) gekauft und konnte 40.000 Euro Eigenkapital beisteuern. Demnach wurde eine Baufinanzierung in Höhe von 160.000 Euro bei einer Bank aufgenommen. Als Kreditsicherheit wurde eine Hypothek im Grundbuch der Immobilie über 160.000 Euro eingetragen. Nach einem Jahr konnte die Familie insgesamt 4.500 Euro tilgen. Im folgenden Jahr stockte die Rückzahlung jedoch, da 3 Raten in Folge nicht bedient wurden. Die Bank hat daraufhin das Recht, eine Zwangsversteigerung der Immobilie zu beantragen, um die Restschuld von ca. 155.000 Euro zu bedienen. Die eingetragene Hypothek macht diesen Schritt möglich und sichert die Bank somit vor dem Verlust eines Kreditausfalls ab.

Arten von Kreditsicherheiten – ein Überblick

Es gibt unterschiedliche Arten von Kreditabsicherungen, von denen einige nun etwas genauer vorgestellt werden.

Die Bürgschaft – eine persönliche Kreditsicherheit

Bei der Bürgschaft handelt es sich um einen Vertrag zwischen dem Gläubiger und einem Bürgen, der sich darin verpflichtet, bei Zahlungsunfähigkeit des Hauptschuldners für dessen Verbindlichkeiten gegenüber dem Gläubiger aufzukommen.

Beispiel: Eine Mutter bürgt für einen Kredit, den ihre volljährige Tochter für einen Führerschein aufnehmen möchte. Sollte die Tochter die Kreditraten nicht mehr bezahlen können, wendet sich die Bank mit ihren Forderungen an die Mutter.

Eine normale Bürgschaft berechtigt den Gläubiger (die Bank) jedoch erst zur Forderung gegen den Bürgen, wenn die Bank bereits eine erfolglose Zwangsvollstreckung gegen den Hauptschuldner durchgeführt hat. Dies wird allgemein als Einrede der Vorausklage (§771 BGB) bezeichnet. In der heutigen Zeit erwarten deshalb viele Banken oder auch Vermieter von einem Bürgen eine selbstschuldnerische Bürgschaft, welche den Verzicht auf die Einrede der Vorausklage (§773 Abs. 1 Nr. 1 BGB) beinhaltet. In diesem Fall könnte die Bank sich auch sofort nach Fälligkeit der Forderung an den Bürgen wenden. Da die Kreditsicherheit per Bürgschaft stets vom Bestehen der Hauptforderung abhängig ist, wird sie auch als akzessorische Kreditsicherheit bezeichnet.

Die wichtigsten Punkte zur Bürgschaft im Überblick:

  • Ein Bürge haftet für die Verbindlichkeiten eines Hauptschuldners gegenüber eines Gläubigers mit
  • In der Praxis sind Bürgschaften oftmals selbstschuldnerisch
  • Bürgschaften sind akzessorische Kreditsicherheiten

Statistik: Bankgeschäfte, die Firmenkunden zusätzlich über Internetportale abwickeln möchten | Statista

Bild: Unternehmen möchten vermehrt die Beantragung von Bürgschaften online vornehmen. (Mehr Statistiken finden Sie bei Statista).

Hypothek und Grundschuld – bei Immobilienfinanzierungen sehr beliebt

Bei der Hypothek (§1113 BGB) handelt es sich genauso wie bei der Grundschuld (§1191 BGB) um sogenannte Grundpfandrechte. Der Schuldner gewährt dem Gläubiger das Recht, seine Forderungen bei Nichtzahlung aus der Verwertung des jeweiligen Grundstücks (und der darauf stehenden Immobilie) zu bedienen. Beide Grundpfandrechte werden im Grundbuch der jeweiligen Immobilie eingetragen. Der große Unterschied zwischen einer Hypothek und einer Grundschuld liegt darin, dass Erstere akzessorisch ist. Bei einer Hypothek muss also eine Hauptforderung des Gläubigers vorliegen, während eine Grundschuld nicht an die Hauptforderung gebunden ist. Mit jeder Abzahlung sinkt also die Höhe der Hypothek des Gläubigers. Dies kann insbesondere bei späteren Zahlungsschwierigkeiten des Schuldners zu Problemen führen. Aus diesem Grund hat die Grundschuld bei der Vergabe von Baudarlehen die Hypothek hierzulande fast vollständig abgelöst.

Die wichtigsten Punkte zu Hypothek und Grundschuld im Überblick:

  • Hypothek und Grundschuld sind sogenannte Grundpfandrechte
  • Gläubiger können diese Grundpfandrechte nutzen, um ihre Forderung bei Nichtzahlung eines Darlehens durchzusetzen
  • Entsprechende Pfandrechte werden im Grundbuch der Immobilie eingetragen
  • Eine Hypothek hängt immer von der Höhe der Hauptforderung ab (akzessorisch)
  • Eine Grundschuld ist davon unabhängig
  • In der Praxis der Kreditvergabe gewinnt die Grundschuld zulasten der Hypothek immer mehr an Bedeutung

Forderungsabtretungen (Zessionen) – im Alltag der Kreditvergabe sehr beliebt

Eine im Alltag der Banken sehr häufig genutzt Art der Kreditsicherheit ist die Forderungsabtretung (Zession), die unterschiedliche Formen annehmen kann:

  1. SchuldrechtDie Lohn- und Gehaltsabtretung: Die Lohn- und Gehaltsabtretung ist eine Abtretung nach §398 BGB. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Abtretung erst dann in Anspruch genommen wird, wenn der Schuldner das Darlehen nicht mehr bedienen kann. Zahlreiche Ratenkreditverträge werden heute nur noch mit einer Lohn- und Gehaltsabtretung angeboten. Sollten ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten seitens des Schuldners auftreten, kann sich die Bank aus den Lohn- und Gehaltszahlungen des Schuldners bedienen. Natürlich müssen dabei die Pfändungsgrenzen berücksichtigt werden.
  2. Risikolebensversicherungen: Gerade bei größeren Darlehen wie Baufinanzierungen ergeben sich für Banken teils erhebliche Ausfallrisiken. Nicht selten sind deshalb Risikolebensversicherungen Bedingung für den Abschluss einer Immobilienfinanzierung, wie die ERGO Versicherung erklärt. Sollte der Kreditnehmer also während der Laufzeit des Darlehens sterben, kann aus der Versicherungssumme die Restschuld getilgt werden.
  3. Restschuldversicherungen: Gerade bei Online-Darlehen werden heute oftmals auch Restschuldversicherungen angeboten. Diese sichern nicht nur das Risiko eines Todesfalls ab, sondern umfassen nicht selten auch die plötzliche Arbeitslosigkeit sowie eine Berufsunfähigkeit des Kreditnehmers. Auch solche Versicherungen sind vor allem bei langen Laufzeiten und/oder hohen Kreditsummen sinnvoll. Hierbei ist insbesondere auf die Konditionen zu achten, die laut Stiftung Warentest zum Teil sehr stark differieren.
  4. Kaskoversicherungen: Eine Kaskoversicherung sichert die Schäden an einem Fahrzeug ab, die nicht durch Fremdverschulden (und entsprechender Haftung der Kfz Haftpflicht des Verursachers) entstanden sind. Diesen Aspekt machen sich Banken und auch Autohändler bei einer Autofinanzierung zu Nutze. Nicht selten müssen Kreditnehmer deshalb eine Vollkaskoversicherung für ihren Neuwagen abschließen, so lange die Autofinanzierung läuft. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Fahrzeug per Sicherungsübereignung als Kreditsicherheit dient.
Bei einem Haftpflichtschaden hat der Geschädigte die freie Wahl eines Sachverständigen

Bei einem Haftpflichtschaden hat der Geschädigte die freie Wahl eines Sachverständigen

Sicherungsübereignung – bei Autofinanzierungen sehr beliebt

Die Sicherungsübereignung wird vor allem bei Autofinanzierungen gern genutzt. Der Kreditnehmer übereignet das Fahrzeug für die Kreditlaufzeit der Bank, kann es jedoch trotzdem weiterhin nutzen. Es wird lediglich die Zulassungsbescheinigung II (Fahrzeugbrief) an die Bank übergeben. Kann der Kreditnehmer das Darlehen nicht mehr zurückzahlen, besteht für die Bank die Möglichkeit, Ihre Forderungen aus einem Verkauf des Fahrzeugs zu bedienen. Wird der Autokredit hingegen ordnungsgemäß abgezahlt, erhält der Kreditnehmer die Zulassungsbescheinigung II zum Ende der Laufzeit zurück. Da sich die Absicherungsmöglichkeit der Bank lediglich auf den Verkauf des Wagens beschränkt, wird bei einer Sicherungsübereignung immer auch der Abschluss einer Vollkaskoversicherung gefordert.

Die wichtigsten Punkte zur Sicherungsübereignung im Überblick:

  • Ein beweglicher Gegenstand wird rein rechtlich an den Gläubiger übergeben
  • Eine physische Übergabe findet nicht statt
  • Die Sicherungsübereignung wird häufig bei Autofinanzierungen genutzt
  • Der Wagen verbleibt beim Schuldner, der Fahrzeugbrief wird für die Darlehenslaufzeit an die Bank übergeben
  • Der Kreditgeber fordert fast immer den Abschluss einer Kaskoversicherung

Wissenswertes zur Kreditabsicherung

In vielen Fällen werden Kreditabsicherungen heute fast selbstverständlich genutzt. So fordern viele Banken von Ehepaaren, dass sie Kredite gemeinsam beantragen. Auf diesem Weg hat die Bank mit dem Ehepartner quasi einen selbstschuldnerischen Bürgen gewonnen. Auch die Grundschuld gehört heute zum Standard, denn es findet bei nahezu jeder Immobilienfinanzierung die Schätzung und Berechnung des Beleihungswertes statt, an dem sich wiederum die Kreditsumme orientiert. Wer also heute einen Kredit abschließt, bietet per Grundschuld, Bürgschaft oder mit einer Lohn- und Gehaltsabtretung fast automatisch gewisse Sicherheiten. In seltenen Fällen können solche Kreditabsicherungen jedoch auch zusätzlich zu anderen genutzt werden und bringen dann mitunter Zinsvorteile mit sich.

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Gutachten: © DOC RABE Media – Fotolia.com
BGB Schuldrecht: © Joachim Lechner – Fotolia.com

 

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